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SG Ennepe-Ruhr-Süd – RSK 1 3,5:4,5

Heute war es endlich wieder soweit! Das neue Jahr startete mit der 5. Runde der NRW-Klasse.

Für uns ging es heute nach Ennepe-Ruhr. Bei eisigen Minusgraden, aber freien Straßen, machten wir uns auf den Weg.

Erfreulicherweise traten wir, nachdem wir im letzten Kampf zum ersten Mal vollständig gespielt haben, heute direkt erneut vollständig an.

Auch der Gegner trat vollzählig an und so sollte es ein spannender Sonntagvormittag werden.

Bei vom Schiedsrichter als sehr grenzwertig beschriebenen Bedingungen (in einer Schulaula, die natürlich an einem Sonntag eiskalt ist, wo wir durchgehend mit Jacke am Brett saßen und einige von uns selbst mit Jacke froren) starteten wir also die Begegnung.

Ralf eröffnete den Sonntag für uns mit einem relativ frühen Remis. Sein Kommentar zur Partie: „Ich hatte nach schlechter Eröffnung Glück, dass mein Gegner im 8. Zug nicht den besten Zug fand. Das wäre ein solides Plus in Höhe von 1,8 für Weiß gewesen. Danach Ausgleich. Ohne Ahnung Bauern zu opfern kann auch mal in die Hose gehen.“

Es deuteten sich auch bereits früh einige Tendenzen ab. So standen Andreas und Benedikt sehr gut, Alex dafür schlecht und Dirk, Henry, Rafael und ich etwa ausgeglichen.

Andreas war auch bereits der Nächste, der fertig war und beschrieb seinen gewonnen Punkt so: „Ich hatte von Anfang an eine Stellung, für die man eigentlich KIA spielt und mein Gegner hat mir im weiteren Verlauf in die Hand gespielt und dabei auch noch viel Zeit verbraucht, sodass er dann am Ende in schlechter Stellung die Zeit überschritten hat.“

Henry hatte eine durchaus zweischneidige Partie. Am Anfang opferte er einen Bauern und versuchte dadurch einen kleinen Entwicklungsvorteil zu nutzen, welcher in der Stellung aber nicht so viel wert war. Anschließend versuchte er einen schwachen Bauern im gegnerischen Lager anzugreifen und drohte ihn zu gewinnen. Dies erkannte auch seine Gegnerin, weswegen sie Remis anbot, welches Henry zuerst ablehnte, da er einen Weg sah, noch einen Bauern zu gewinnen und spielte anschließend mit einem Mehrbauern. Jedoch realisierte er ein paar Züge später, dass dieser kleine Vorteil ihm in der Stellung nicht so viel bringt, weswegen die Partie schlussendlich Remis ausging.

Es stand also relativ früh schon 2-1 für uns. Benedikt stand weiterhin grandios, Alexander leider sehr schwierig und der Rest in etwa ausgeglichen.

Und dann kam die erste Tragik des Tages: Benedikt stand schon lange so überlegen und hatte eine wirklich grandiose Partie gespielt und seinen Gegner richtig schön an die Wand gespielt. Sein Gegner fand noch eine letzte Falle und leider rannte Benedikt in genau diese Falle rein und trotz eines offenen Königs des Gegners war die Stellung augenblicklich verloren. Extrem ärgerlich.

Und das brachte auch leider den Kampf ein wenig aus dem Gleichgewicht. Zunächst hatte es so ausgesehen, als ob wir um ein 5-3 oder ein 4,5-3,5 kämpfen und plötzlich waren wir diejenigen, die um ein 4-4 kämpften.

Alex stand leider verloren, Rafael hatte eine für mich (in eigener Zeitnot) völlig uneinschätzbare Stellung und Dirk stand ausgeglichen beim Stand von 2-2.

Meine eigene Stellung war zu dem Zeitpunkt ein sehr ausgeglichenes Endspiel. Mein Gegner, den ich noch aus Jugendzeiten gut kenne, bot mir schon sehr früh in der Partie Remis an. Mit Blick darauf, dass es nicht ganz klar war, in welche Richtung der Kampf sich entwickelte, spielte ich erst einmal weiter. Ich hatte mehrfach die Chance in eine gute Stellung zu kommen und einen Mehrbauern mit aktiveren Figuren lange kneten zu können, fand aber nicht die richtigen Zeitpunkte dafür und so hielt sich die Partie auch lange im Gleichgewicht. Irgendwann tauschte sich einiges ab und ich war mir sicher, trotzdem noch besser zu stehen und es versuchen zu müssen für den Mannschaftssieg, da sich eben ein extrem enger Ausgang andeutete und lehnte erneut ein Remiangebot ab. Die Partie fand dann ein sehr ungewöhnliches Ende darin, dass mein Gegner in Zug 40 die Zeit überschritt nach einem langen Zeitnotduell. Er war bei sich bereits in Zug 41 und hatte deshalb die Zeit nicht mehr beachtet, allerdings hatte Aik Zug 20 nicht notiert und diese Zeile einfach übersprungen und so waren die 40 Züge noch nicht gespielt.

Dirk hatte auch eine absolut chaotische Stellung von Beginn an auf dem Brett, bei der ich kaum durchgeblickt habe. Zwischendurch sah es auch mal schwierig aus, es entwickelte sich dann aber ein ausgeglichenes Endspiel und beide einigten sich auf Remis.

Und dann wurde es natürlich Zeit für unseren Mister 100%: „Mein Gegner heute hat wohl zu stark auf meine Zeitnot spekuliert und weniger auf die Erfordernisse der Stellung. Daher fand er bei der Durchführung seines Angriffes gegen meinen König nicht die optimalen Züge, ansonsten wäre dieser auch erfolgreich gewesen. Nachdem ich den (schnell aber suboptimal) vorgetragenen Angriff abgewehrt hatte blieb es bei einem für mich deutlich gewonnenen Endspiel. Als der Damentausch unausweichlich war gab mein Gegner zurecht auf.“ Rafael steht damit nicht nur weiterhin ungeschlagen da, sondern bei phänomenalen 5 aus 5!

Alex hatte heute leider insofern eine schwierige Partie, dass sein Gegner einige Partien von GM Praggnanandhaa inklusive jeglicher Fallen und Kniffe auswendig gelernt hat. Das entstandene Endspiel mit 2 Figuren von Alex gegen Turm und Freibauern des Gegners bei noch insgesamt jeweils 4 weiteren Bauern auf dem Brett ist wohl typisch für einige dieser Musterpartien des GM und so hatte er sich auch die Ideen dort angeschaut und gewann letztlich souverän.

Am Ende startet das neue Jahr also erneut mit einem Mannschaftssieg in Form eines 4,5-3,5! Sehr sehr stark Männer!